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Der neue CEO

Beat Moll

Der neue CEO

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Neuer CEO

Im Gespräch
mit Beat Moll

Winter 2018/19
Am 1. November hat Beat Moll seine neue Stelle als CEO des Spitals Oberengadin angetreten. Seither führt er die von seinem Vorgänger eingeleitete Konsolidierungsphase in der Gesundheitsversorgung Oberengadin (SGO) weiter. Doch wer ist Beat Moll? Im Interview verrät es uns der bald 56-Jährige.

Seit bald zwei Monaten ist Beat Moll CEO des Spitals Oberengadin. Im Gespräch hat er uns verraten, wie er gestartet hat, was seine ersten Eindrücke sind und wo es in Zukunft mit dem Spital Oberengadin hingehen soll.

Was sind Sie für ein Typ? Wie würden Sie sich charakterisieren? Als CEO? Als Privatperson?

Sowohl als Privatperson wie auch in der Funktion des CEO bin ich neugierig und vielseitig interessiert. Ich lerne gerne Menschen kennen, und finde es spannend, von den unterschiedlichen Biografien und Erfahrungen lernen zu dürfen. Ich beurteile mich als optimistisch und zuversichtlich. Aufgrund meiner Lebenserfahrung bin ich mit einer gesunden Portion Gelassenheit ausgestattet, habe es jedoch gerne, wenn es vorwärtsgeht und die Dinge angepackt und erledigt werden.

Wie sind Sie im Spital Oberengadin angekommen? Was sind Ihre ersten Einschätzungen?

Ich durfte einen wunderbaren Engadiner Herbst erleben und den ersten Schnee. Anstatt wie meine Familie und Freunde unten im Nebel zu sitzen, konnte ich die Sonne geniessen. Natürlich fanden viele Gespräche statt, und ich lernte viele neue Gesichter kennen. Ich erlebe viel Wohlwollen und habe den Eindruck, die Mitarbeitenden sind neugierig und freuen sich auf ein neues Kapitel. Die Stimmung am Spital Oberengadin empfinde ich als sehr positiv und begegne auf allen Stufen fähigen und kompetenten Mitarbeitenden, die sich mit Engagement und viel Herzblut für das Spital und das Pflegeheim Promulins einsetzen.

Was hat Sie in erster Linie dazu bewogen, diese Stelle anzunehmen?

Ich empfand die Übernahme der Leitung eines somatischen Spitals als reizvoll. Mich hat auch das Leitbild des Kantons für die Gesundheitsversorgung in Graubünden mit den verschiedenen Versorgungsregionen und dem Willen, die integrierte Versorgung voranzutreiben, überzeugt. Gerade hier im Oberengadin sind die Strukturen mit der neuen Stiftung wie geschaffen. Die einzelnen Leistungserbringer können so zusammengeführt werden, was die integrierte Versorgung zu Gunsten des Patienten ermöglicht. Natürlich kenne ich das Engadin auch als Sommer- und Winterferiendestination. Die Vorstellung, dort zu arbeiten, wo andere Ferien machen, ist verlockend, muss ich zugeben.

 

Wo sehen Sie das Spital Oberengadin heute?

In den letzten Jahren wurde sehr viel erreicht. Die Versorgung durch das Spital Oberengadin ist breit abgestützt und von hoher Qualität, zudem wurden wichtige Projekte bereits initiiert wie etwa die Umsetzung des Masterplans. Mit der Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin verfügen wir über eine gute Führungsstruktur mit einem professionellen Verwaltungsrat.

Das Spital Oberengadin ist gut positioniert und verfügt über eine solide finanzielle Basis, welche die notwendigen Investitionen erlaubt.

Mindestfallzahlen können zu einer Spezialisierung einzelner Spitäler führen. Dieses Konzept lässt sich im Oberengadin nie und nimmer umsetzen.

Wo wollen Sie Schwerpunkte in Ihrer Arbeit am Spital Oberengadin und im Pflegeheim Promulins setzen?
Wissen Sie das schon?

Zurzeit führe ich viele Gespräche innerhalb und auch ausserhalb der Organisation. Es geht darum, zu verstehen, wie die Organisation funktioniert und warum Dinge sind wie sie sind. Erst wenn das Puzzle komplett zusammengesetzt ist, kann ich meine Erkenntnisse spiegeln, um dann gemeinsam mit meinen Mitarbeitenden Schwerpunkte festzulegen.

 

Wo lokalisieren Sie die jetzigen und künftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen insbesondere für ein Regionalspital wie das Spital Oberengadin?

Die schweizerische Gesundheitspolitik ist momentan stark durch den Kanton Zürich geprägt. Zusätzlich beruht der Fokus von Seiten Bundesbern auf einer statistischen Betrachtung. Beides führt zu Entwicklungen und Entscheidungen, die nicht auf die Situation im Kanton Graubünden und schon gar nicht zum Oberengadin passen. Die grösste Herausforderung für uns ist und bleibt, das medizinische Angebot für Bevölkerung und die zahlreichen Gäste professionell, in guter Qualität und aufgrund der saisonbedingten Schwankungen mit vernünftigen Kosten zu betreiben. So können wir alle profitieren: als Patienten, Gäste und Arbeitnehmer.

Seit knapp 30 Jahren sind Sie im Gesundheitswesen tätig. Wo steht das Gesundheitswesen in der Schweiz heute?

Auf meinem beruflichen Werdegang durfte ich Erfahrungen auf Seiten der Versicherer, von Spitälern und auch aus der Optik der Gesundheitsförderung und Prävention sammeln. Für mich zentral ist die Erkenntnis, dass es die eine richtige Lösung nicht gibt. Die Interessen aller Beteiligten divergieren stark. Das Schweizer Gesundheitswesen zeichnet sich durch den schnellen Zugang für alle aus. Ebenso schätze ich die Qualität unserer Infrastruktur und die hohe fachliche Kompetenz der Mitarbeitenden. Natürlich lassen wir uns das alles etwas kosten. Im Bestreben der Politik, den Kostenanstieg einzudämmen, wird das eigentlich liberal gedachte System immer stärker in eine staatlich gesteuerte Planwirtschaft gedrängt. Persönlich bin ich der Meinung, dass eine Planwirtschaft nicht funktioniert und die damit verbundenen administrativen Anforderungen in keinem vernünftigen Verhältnis zum vermeintlichen Nutzen stehen.

Unser Gesundheitswesen steht heute an einem Scheideweg: Wollen wir weiter Richtung Verstaatlichung mit Planwirtschaft gehen oder setzen wir wieder vermehrt auf eine liberale Ordnung?