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Vom Spital Oberengadin ins kirgisische Niemandsland

Ein Expeditionsbericht

Vom Spital Oberengadin ins kirgisische Niemandsland

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Den Beruf mit dem Hobby verbinden zu können, davon träumen wahrscheinlich viele. Für Mirjam Grimm ging dieser Traum in Erfüllung. Die Oberärztin Pädiatrie am Spital Oberengadin begleitete vergangenen Herbst ein Frauen-Team des Schweizerischen Alpen-Clubs SAC auf einer vierwöchigen Expedition nach Kirgistan.

Mirjam Grimm ist in ihrer Freizeit meist in den Bergen anzutreffen. Beim Biken, Bergsteigen und im Winter vor allem auf Skitouren. Das ist ein idealer Ausgleich zu ihrem Berufs­alltag als Kinderärztin am Spital Oberengadin. Als sie die Ausschreibung des SAC sah, in der eine Ärztin für eine mehrwöchige Expedition gesucht wurde, hat sie sich sofort ­beworben – und die Zusage erhalten. «Für mich ging ein Traum in Erfüllung. Expeditionsmedizin ist eine grosse Leidenschaft von mir», so die 32-Jährige.

Von der Schweiz in das zweitärmste Land Zentralasiens

Als Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Gebirgsmedizin (SGGM) hat Mirjam Grimm viel Erfahrung in den Bereichen der Behandlung, Versorgung oder auch der Rettung in extremen, teils schwer zugänglichen Berggebieten. Eine Expedition dieser Grösse war allerdings Neuland, denn letztendlich war sie nicht nur für die medizinische Betreuung der sechs Teilnehmerinnen des SAC verantwortlich, sondern auch für ein fünfköpfiges Fernsehteam, drei Köche und die einheimischen Horsemen, die sich um den Gepäcktransport mit insgesamt 18 Eseln und fünf Pferden kümmerten. Hinzu kam die Tatsache, dass die medizinischen Standards und die Versorgung in Kirgistan weit von denen in der Schweiz entfernt sind – und natürlich die Sprachbarriere. Diesbezüglich war es für Mirjam Grimm allerdings ein Vorteil, dass sie im Spital Oberengadin in der Pädiatrie arbeitet.

«Meine Patienten sind meist Kleinkinder, die sich auch nicht richtig ausdrücken und mir sagen können, wo es weh tut. Ich muss also oft andere Wege ­finden, um mit ihnen zu kommunizieren. Das kam mir in ­Kirgistan zugute.»

Magen-Darm-Beschwerden auf über 3'100 m ü. M.

Ziel der SAC-Expedition war es, im südwestlich gelegenen Pamir Gebirge drei Fünftausender zu besteigen und eine neue Kletterroute zu eröffnen. Diese Ziele wurden auch ­erreicht, allerdings hatten die meisten mitgereisten Expeditionsmitglieder während mehrerer Wochen mit Magen­-Darm- Beschwerden zu kämpfen. «Uns hat die kirgisische ­Küche nicht so gutgetan. Wir haben einen Magen-Darm-­Virus eingefangen, der manche mehr, andere weniger ­belastet hat. Da war ich dann schon ziemlich gefordert, denn in einem fremden Land, weit weg von der Zivilisation und der nötigen Versorgung ist man ziemlich limitiert, was die Behandlung angeht.» Kommt hinzu, dass das Basislager auf 3'100 m ü. M. gelegen war und die Teilnehmerinnen bei den Besteigungen der Gipfel auf über 5'000 m ü. M. steigen mussten. Dieser Virus habe ziemlich an den Kräftereserven gezehrt und alle körperlich extrem gefordert.

Aber abgesehen davon, milden Höhenkrankheiten bei ­vereinzelten Teilnehmerinnen zu Beginn bei einer Akklimati-­sations­tour und ein paar Blasen, Schürfungen und ­kleineren Wunden musste Mirjam Grimm kaum etwas ­behandeln. «Ich habe die meisten Dinge, die ich mitgenommen habe, zum Glück gar nie gebraucht. Vor allem aber bin ich froh, dass es keinen Notfall gab. Es wäre beinahe unmöglich gewesen, in diesem Gebiet einen Schwerverletzten zu bergen.»

So kehrte Mirjam Grimm nach vier Wochen Kirgistan mit vielen neuen Erfahrungen im Gepäck ins vergleichsweise sehr zivilisierte und gut erschlossene Oberengadin zurück. Die Expedition «Hoch hinaus – Das Expeditionsteam» wird ab dem 11. Februar in einer mehrteiligen DOK-Serie im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt.