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Soziale Kontakte zu besonders gefährdeten Menschen

Eine Herausforderung

Soziale Kontakte zu besonders gefährdeten Menschen

Weniger Besuche, mehr Masken und ständige Vorsicht: Während jüngere Menschen wieder in ihren Alltag zurückgekehrt sind, bleiben alle Schutzmassnahmen im Pflegeheim Promulins sowie bei der Spitex weiterhin unerlässlich.

Im Alter werden soziale Kontakte immer wichtiger: Der Besuch der Angehörigen, die Aktivitäten mit anderen Senioren und das gemeinsame Einkaufen gehören zu den Highlights der Bewohnerinnen des Alters- und Pflegeheimes Promulins und der Klienten der Spitex. Seit dem Ausbruch der Coronapandemie gestalten sich aber ebendiese sozialen Kontakte schwieriger. «Insbesondere zu Beginn der Pandemie waren die Angehörigen und die Mitarbeitenden stark verunsichert», erzählt Annelies Hiltbrunner, Teamleiterin der Spitex Oberengadin. Denn die BewohnerInnen und KlientInnen des Promulins und der Spitex gehören zur Risikogruppe des Coronavirus.

85 «besonders gefährdete Personen» 

Die strengen Schutzmassnahmen waren dringend nötig und erfolgreich, wie man heute weiss, doch sie haben die sozialen Kontakte der Bewohnerinnen und Bewohner eingeschränkt. «Besucher dürfen bis heute nur in Ausnahmefällen Besuche im Alters- und Pflegeheim machen», sagt Marion Barandun. Sie ist jedoch sehr froh darüber, dass die Angehörigen ihre Liebsten stets zu Spaziergängen abholen durften und dürfen – wenn auch mit Masken, strikter Händehygiene und genügend Abstand. Um auch ohne Masken miteinander sprechen zu können, wurde eine sogenannte Besucherbox eingerichtet, in der sich die Bewohner und ihre Angehörigen treffen können. Seit einiger Zeit ist es auch ­wieder erlaubt, die Bewohner in der Cafeteria zu treffen.

 

 

«Im Promulins war von Anfang an klar, dass der Schutz ­unserer Bewohner oberste Priorität hat», erzählt Heim­leiterin Marion Barandun.

Fehlender Alltag

Auch die Klientinnen und Klienten der Spitex bekamen die Folgen der Pandemie deutlich zu spüren. Der Bundesrat hat offiziell empfohlen, auf physischen Kontakt mit älteren Menschen zu verzichten. Nicht nur Besuche fielen dadurch weg, sondern alle Termine, die dem Alltag eine Struktur gaben. So waren die Mitarbeiterinnen der Spitex Ober­engadin oft über längere Zeit der einzige soziale Kontakt der Klienten, worüber diese wiederum sehr dankbar gewesen seien, sagt Annelies Hiltbrunner. Um das Risiko einer Ansteckung so gering wie möglich zu halten, wurde auf Einkäufe und Spaziergänge mit ihnen verzichtet. Während den Wochen des Lockdowns betreuten immer dieselben Mitarbeiterinnen die Klienten. «Wir haben das Betreuungsteam so klein wie möglich gehalten», sagt Hiltbrunner. ­Mittlerweile dürfen die Klienten unter Einhaltung der Schutzmassnahmen wieder mit einkaufen gehen, was sie sehr schätzen.

Grosser Gesprächsbedarf

Den Mangel an sozialen Kontakten machte sich im Promulins mit der Zeit zunehmend spürbar: «Die Bewohnerinnen und Bewohner haben öfter das Gespräch mit uns Mitarbeitenden gesucht und sich über jede Abwechslung gefreut», sagt Melanie Telser, Leiterin des Altersheims im Promulins. Sehr wertvoll seien in dieser Zeit Angebote wie die Gartenkonzerte vor dem Promulins oder das Spezialprogramm der Aktivierung gewesen. Eine besondere Herausforderung war die Situation für demente Bewohnerinnen und Bewohner: «Wenn die Angehörigen länger nicht mehr zu ­ihnen durften, haben wir gemerkt, dass es auch für uns schwieriger wurde, diese Bewohner abzuholen», erzählt Melanie Telser.

Sie und ihr Team haben sich in dieser herausfordernden Zeit besonders über die Rückmeldungen der Angehörigen gefreut. «Sie wussten, dass ihre Liebsten bei uns in guten Händen sind, auch wenn sie nicht zu ihnen durften.» «Die Bereitschaft der Mitarbeitenden ist ungebrochen», stellt auch Marion Barandun fest, die dies ihren Mitarbeitenden hoch anrechnet. Nichtsdestotrotz würden sich alle über ein Stückchen Normalität freuen. 

Aus Sicht der Angehörigen

Roberta und Jolanda Picenoni, deren Eltern im Promulins wohnen, erzählen, wie sie diese Zeit erleben: «Dank der Möglichkeit von begleiteten Spaziergängen auf dem Areal Promulins war uns ein regelmässiger Austausch mit ­unseren Eltern möglich. Auf diesen Spazier­gängen wie auch durch regelmässige Telefongespräche konnten wir sie über Aktuelles im Engadin und der Schweiz informieren. Glücklicherweise wohnen unsere Eltern im Erdgeschoss und verfügen über einen gemütlichen Sitzplatz, sodass wir auch Kurzgespräche «über den Haag» – mit dem nötigen ­Abstand – führen konnten. 

Trotz der ungewohnten Situation haben unsere Eltern diese sehr rasch akzeptiert und sich darauf eingestellt. Der ­soziale Kontakt zu ihrem Bekanntenkreis fehlte ihnen während des Lockdowns und wurde teils mit Telefongesprächen kompensiert. Dank der grossen Unterstützung des gesamten Promulins-Teams fühlten sie sich jedoch nicht alleine und sehr gut auf­gehoben.» 

Auch der Angehörige Jan Savay-Guerraz erzählt von seiner Erfahrung: «Während Besuchen habe ich versucht, meine Mutter möglichst wenig zu berühren, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Der Berührungskontakt zu meiner Mutter, vor allem das Umarmen, hat mir sehr gefehlt. Ein grosses Kompliment an das Pflegepersonal, das weiterhin liebevoll seinen Tätigkeiten nachgeht – und das mit Maske. Ich glaube deshalb nicht, dass meine Mutter durch das Coronavirus stark beeinträchtigt war. Ich fand die vom Pflegeheim angeordneten und die vom Pflegepersonal umgesetzten Massnahmen angebracht und gut umgesetzt. Wir hatten alle keine Erfahrung mit diesem Virus. Lieber einmal zu vorsichtig, als einmal zu wenig vorsichtig.»